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Reinsdorf

[(c): Christine Nitzschker]

Reinsdorf

Der Ort Reinsdorf soll seinen Namen von seinem Gründer, einem Krieger namens Reginher erhalten haben. Im »Breviarium Sancti Lulli«, einem Güterverzeichnis des reichen Klosters Hersfeld, zählte es 786 zu den zehntpflichtigen Gütern und wurde dort als „Reginheresdorpf“ geführt.

Auch Reinsdorf besaß, wie Nebra und Wangen, eine Altenburg. Sie befand sich zwischen der Unstrut und der heutigen Bahnlinie südöstlich des Ortes. Ende des 19. Jahrhunderts war sie noch durch eine mächtige Schutt- und Brandlage im Gelände erkennbar.

Von großer Bedeutung für die Entwicklung des Ortes war die Verlegung des Benediktinerklosters von Vitzenburg nach Reinsdorf. Wassermangel und Unzucht sollen die Gründe hierfür gewesen sein.

Bereits vor der Verlegung des Kosters war die Siedlung Reinsdorf in ein Ober- und ein Unterdorf geteilt. Im Unterdorf erhob sich die Pfarrkirche St. Wenzel, an deren Existenz heute nur noch die Flurnamen erinnern. Im Ortsgrundriss von Reinsdorf lassen sich mehrere Teile unterschiedlicher Entstehung und Funktion erkennen. Die Klosterkirche St. Johannis Baptistae et Beatte Virginis Marie entstand mit den Klosterhäusern im Oberdorf, dem späteren Klosterdorf. Die Weihe der gesamten Klosterstiftung nahm der Bamberger Bischof Otto im Mai 1135 vor; vier Jahre später stellte sie Papst Innocenz unter seinen besonderen Schutz. Die Kirche war in Kreuzform gebaut, mit Mittelschiff und zwei Seitenschiffen, sowie zwei Türmen im Westen. Ihre Größe kam einer Basilika gleich.

Unter der Obhut des Klosters wurden mehrere Orte erweitert oder gegründet und neue Kulturen, wie Wein und Hopfen angebaut. Umfangreiche Zuwendungen und Stiftungen ließen das Vermögen des Klosters und damit seinen kirchlichen Einfluss in der Diözese wachsen. Das Kloster erhielt Weinbergszehnte in Steigra, Wangen, Vitzenburg und Nebra sowie Rodungszehnte in Zingst, Vitzenburg und Gleina. Zu den wichtigste Aufgaben des Klosters gehörten der weitere Landesausbau und die Festigung des christlichen Glaubens im Unstruttal.

Am 4. Mai 1525 versammelten sich etwa 300 Aufständische des Bauernkrieges aus Nebra, Weischütz, Kleinwangen und Mansfeld und zogen zum Reinsdorfer Kloster. Die Insassen wurden vertrieben, die Klosterschätze, Vieh und Getreide geplündert. Über 400 Jahre hatte das Kloster Bestand, die neuen Lehren des Martin Luther führten jedoch letztendlich  zur Auflösung des Reinsdorfer Klosters durch den Landesherren, Herzog Heinrich von Sachsen im Jahre 1540.

Aus dem ehemaligen Benediktinerkloster entstanden drei Rittersitze, die 1752 zu einem Fideicomis vereinigt wurden, das bis 1945 in Pacht der Grafen von Schulenburg-Heßler auf Vitzenburg blieb. Das Rittergut befand sich am Südende des Angers.  

Die kleine Dorfkirche ist aus der 1135 fertiggestellten Klosterkirche, von der nur noch das Querhaus steht, hervorgegangen. Der Chor wurde im 14. Jh. verlängert und mit gotischen Fenstern ausgestattet. Das sogenannte Tympanon, ein Türbogenfeld aus der Klosterzeit, versetzte man 2008 in das Kircheninnere, um es vor weiterer Verwitterung zu schützen. Es zeigt in seiner Mitte die Halbfigur Marias mit dem Kind zwischen einem knienden Bischof mit Kirchenmodell links und dem stehenden Engel Gabriel rechts. Daneben ist die Halbfigur eines Mönchs zu sehen, wohl der erste Abt des Klosters. Hervorzuheben ist die barocke Orgel, welche 1994 restauriert wurde.

Nicht nur die Dorfkirche prägt das Bild von Reinsdorf, auch eine Allee 80jähriger Linden, die umgebenden Weinberge, als dauerhaftestes Erbe des Reinsdorfer Benediktinerklosters, und ein Storchennest auf der ehemaligen Bäckerei gehören dazu. Jedes Jahr wird von den Reinsdorfer Einwohnern die Ankunft der Störche mit Interesse verfolgt.

Besondere Aufmerksamkeit verdient auch ein Taubenhaus im Grundstück der Dorfstraße 8. Das aus Holz gearbeitete Taubenhaus, vermutlich Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut, ruht auf einem säulenartigen Unterbau aus Buntsandstein und ist heute nur noch selten anzutreffen.

In Kirchnähe wurde 1994 eine neue Brücke für Fußgänger errichtet, über die auch der Unstrut-Radweg führt. Auf der gegenüberliegenden Nebraer Seite der Unstrut gab man anno 1999 eine neugestaltete Anlegestelle für Boote und Paddelboote frei.

Am 1. September 2010 erfolgte die Eingemeindung Reinsdorfs nach Nebra (Unstrut).

Reisende können den Ort auch bequem ohne Auto und mit Bus oder Bahn erreichen.

 

Allgemeine Angaben Reinsdorf:

Geo-Koordinaten: Breite 51.28966°N, Länge 11.58632°E
Höhe: 123,3 m ü. NHN
Fläche: 7,57 km²
Einwohner: 519 (31.12.2016)
Bevölkerungsdichte: 73 Einwohner/km²
Eingemeindung: 01.01.2010

 

© Christine Nitzschker E-Mail